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©Michael von Graffenried

Etwa 1978 begann ich meine Sammlung KRAWATTIVITÄTEN. Auslöser war eine Karte für einen Kollegen und Freund zu seinem 18. Geburtstag.

Auf der war eine Krawatte zu sehen. Dieselbe kaufte ich auch für mich und entdeckte in dem Shop noch weitere Kartenmotive mit Krawatte. Fortan war mein Ehrgeiz gepackt und ich suchte systematisch nach weiteren Karten, Plakaten und Nippes. Innerhalb kürzester Zeit kamen so einige Exponate zusammen.

Außerdem interessierte ich mich zu dieser Zeit auch für KRAWATTENLITERATUR. Vor allem zu Beginn des 19. Jahrhunderts gab es wohl eine Anzahl verschiedener kleiner Bücher, die schon zu ihrer Zeit Bestseller waren. Vor allem ein Titel wird in der Literatur immer wieder erwähnt: L’ART DE METTRE SA CRAVAT. Kein geringerer als Honoré de Balzac hat dieses Büchlein herausgegeben. In dieser Zeit gab es auch Übersetzungen ins Englische, Italienische und Spanische. Mir war aber keine deutsche Übersetzung bekannt. Also begann ich zu recherchieren und fand tatsächlich ein Original in der Sammlung Lipperheide in Berlin. Es war für mich natürlich ein aufregendes Erlebnis, dieses kleine Büchlein tatsächlich in den Händen zu halten. Innerlich hatte ich sowieso schon beschlossen, den Text ins Deutsche übersetzen zu lassen. Und wie es der Zufall wollte, erstand ich bei einem Berliner Antiquar ein Exemplar. Auf der Suche nach einem möglichen Verlag wurde ich schnell auf den Boden der Tatsachen zurück geholt. Keiner traute sich, ein Büchlein von 1827, mit dem kein Mann heute noch was anfangen konnte, herauszubringen.

Also gründete ich den thullverlag und verlegte das Büchlein selbst. Innerhalb von 2 Jahren verkaufte es sich knapp 10.000 mal.

Natürlich blieb es nicht aus, dass ich weitere Literatur zum Thema Krawatte sammelte.

Durch die Sammlung KRAWATTIVITÄTEN wurden auch langsam die Medien auf mich aufmerksam. Zahlreiche TV-Auftritte, bzw. z. T. ganzseitige Artikel wurden über mich und meine Sammlungen geschrieben. Der damalige Aachener Kalenderverleger Georgi produzierte zwei Kalender mit Motiven der ersten Sammlung. Dadurch, dass ich auch Krawatten für meine Arbeitgeber einkaufte, hatte ich auch sehr schnell Zugang zu den wichtigsten Krawattiers seiner Zeit: Anselmo Dionisio, Prochownik, Ascot, Edsor Kronen und viele weitere. Der deutsche Krawattier Sepp Halbritter wollte für sein neues Verwaltungsgebäude und dem angegliederten Krawattenmuseum meine Sammlung erwerben. So kam es, dass ich mich von dieser Sammlung trennte. Nicht ohne schon eine weitaus größere Sammlung damit anzustoßen. Inzwischen war ich in München bei der Werbeagentur als Art-Direktor gelandet, die maßgeblich die damaligen Prospekte für einen großen Einzelhändler entwickelten. Mein damaliger Chef war mit Helmut Newton, bzw Rico Puhlmann seit seiner Schulzeit befreundet. Durch ihn lerne ich zu sehen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Jedes auf der Produktion geschossene Bild musste mit einer Lupe auf Perfektion gesichtet werden. Für mich war das wie eine Lehrzeit.


Und der Start für die Sammlung DIE KRAWATTE IN DER PHOTOGRAPHIE war geboren. Mit der Zeit merkte ich, dass wohl fast alle Großen der Photogeschichte Krawatten photographiert haben. Und ich meine nicht drei Männer mit drei Krawatten. Da wären mir drei Männer zu viel auf dem Photo. In den letzten Jahren bis heute kamen so über 400 Prints zusammen. Die wichtigsten Galerien weltweit waren mir eine große Hilfe. U. a. Howard Greenberg; NYC, Esther Woerdehoff; Paris, Taka Iishi; Tokio und so viele andere.

In verschiedenen Ausstellungen konnten vereinzelt Positionen der Sammlung gezeigt werden.

Ende 2021 werden Teile der Sammlung versteigert. Das Thema ist für mich abgeschlossen.

Im Jahre 1990 fing ich eine Sammlung mit PLATTENCOVER an. Und ich betone Cover, weil die Musik für mich nicht wichtig war. Ich wollte eine Sammlung zusammentragen, mit Covern von bekannten Photographen und Künstlern. über 2000 Exponate kamen zusammen. In der Zwischenzeit von vielen der Photographen und Künstlern signiert. Auch hier wurden viele der Cover national und international gezeigt. z. B. in Arles, Berlin, Hamburg, Porto.

Aber auch von dieser Sammlung konnte ich mich leichten Herzens trennen.

Die Erkenntnis meiner bisherigenen Sammlungen ist: Einmal Sammler - immer Sammler.

Dabei habe ich, wieviele andere Sammler schon vor mir, sicherlich die Erfahrung gemacht, dass das Suchen und Finden dessen was man sucht, eine wesentlich erfüllenderes Gefühl ist als der Besitz.

Inzwischen habe ich Gefallen an zeitgenössischer Kunst gefunden. Künstler*innen wie Anne Schubert, Natalie Czech, Ruth Marten, Simon Schubert, Birgit Feil, Walter Moroder, Raymond Pettibon, Marcus Neufanger oder Wolfgang Flad haben mir den Zugang mit Ihren Werken sehr erleichtert. Auch die Galerien sind ein verlässlicher Partner, um auch hier mein Auge zu schulen. z B Galerie van der Grinten; Köln, Kadel & Willborn; Düsseldorf, Albert Baumgarten; Freiburg und viele andere.

Als wenn das noch nicht alles wäre, gibt es neben den schon erwähnten Sammlungen, eine sog. „Nebensammlung“.

Editionen, egal ob Photographie, Papierarbeit oder Skulptur: Wenn möglich immer die Nr. 17 von . . .

Da kommt auch schon was zusammen.

Eine der neuesten Entdeckungen der letzten Zeit für mich sind sog. KÜNSTLERBÜCHER. Da kommt dann das zusammen, was mich mein Leben lang schon immer begleitet hat: Bücher und Kunst. Möglicherweise ein Sammlergebiet, welches am schwersten einzugrenzen ist (wenn man sich nicht ausschließlich auf einen Künstler oder auf ein Entstehungsjahr konzentriert).